Grenzpossen

Geboren wurde die Idee wie "Fahrendes Volk" durch die Lande zu ziehen und Theater zu spielen nach einem gemeinsamen Workshop beim FORUM.
Im Sommer 2006 war es dann soweit. Drei Wochen lang beradelte und bespielte die Schauspieltruppe gut 250 Kilometer vom luxemburgischen Wasserbillig bis zum niederrheinischen Goch mit zahlreichen Grenzüberschreitungen. Die Hälfte der Auftritte war in den Nachbarländern, wie der Name des Projekts ja schon sagt  „Grenzpossen.“ 
 


 

Tagebuch

im Sommer 2006 ins Blog geschrieben

Prolog:

 

Unser Projekt im Sommer 2006 

 

Was kommt dabei heraus wenn eine Gruppe von Theaterverrückten in einer Kneipe bei einem Bier sitzt? Ein Abenteuer für Schauspieler...

 

 

Radelnde Komödianten

 

13 Theaterverrückte werden diesen Sommer zwischen Trier und Kleve in vieler Hinsicht Grenzen überschreiten. 

 

Persönliche Grenzen - in einer Gruppe zu reisen, bedeutet miteinander zu reisen, unterschiedliche Fähigkeiten und Fertigkeiten zu nutzen, aber auch Begrenzungen erfahren und respektieren zu lernen.

 

Künstlerische Grenzen - natürlich wollen wir auch miteinander schauspielern. Wie die Gaukler und Komödianten alter Zeiten wollen wir als moderne Possenreißer in den Orten entlang unseres Weges auftreten, ohne große Vorplanung, ohne Eintrittskarten. Wir wollen dort spielen wo es uns gefällt und wo wir Publikum finden. Dabei wollen wir analog unserer Reiseform, die uns immer wieder vor neue Herausforderungen stellen wird, viel Improvisationstheater präsentieren. Aber auch andere Formen werden unterwegs entwickelt und zur Aufführung gebracht:

* Erzählungen für Kinder und Erwachsene,

* "Shakespeare´s Greatest Hits", (Eine hoch unterhaltsame, äußerst lehrreiche Kurzfassung der Shakespearestücke: Macbeth; Hamlet sowie Mark Anton und Cleopatra; 

* "DSDSD" (Deutschland sucht den Super-Dichter - eine etwas andere Form der Rezitation) 

und was auch immer noch möglich sein wird. Dabei wollen wir unsere unterschiedlichen künstlerischen Begabungen nutzen, voneinander lernen und gemeinsam weiterentwickeln.

 

Körperliche Grenzen - wir bewegen uns auf Fahrrädern fort. Landschaften und Regionen werden so unmittelbar und im wahrsten Sinne des Wortes erfahrbar, ebenso die Unwägbarkeiten des Wetters. Als fahrendes Volk haben wir unsere Unterkünfte (Zelte) natürlich dabei.

 

Auf diese gemeinsame Reise begeben sich sechs Frauen und sieben Männer, die irgendwie - vom Profi bis zum Laien - unterschiedlich Theater machen und mögen. Immer dabei ein Trecker mit einem Bauwagen im Schlepptau; darin: Kulissen, Kostüme und die Küche. 

 

Regionale und Ländergrenzen - auf unserem Weg wollen wir ganz bewusst unterschiedliche Regionen und Länder aufsuchen. Dabei müssen wir für unsere Darbietungen immer wieder neu ein Publikum suchen, das wir für unser Angebot interessieren und begeistern wollen. Unterschiedliche Mentalitäten und Reaktionen, der direkte Kontakt zu den Zuschauenden und die verschiedenen Rahmenbedingungen an den unterschiedlichen Orten lassen jede Aufführung zu einer neuen abenteuerlichen Premiere werden.

Samstag, 15.7. Morgen geht es los 

 

So es wird ernst. Morgen treffen wir uns alle in Wasserbillig (Luxemburg). Heute morgen haben wir hier am Niederrhein den Trecker und den Bauwagen auf Anhänger verladen. und noch einiges andere was wir unterwegs so brauchen. Es wird langsam wirklich aufregend und die Vorfreude wächst
Es ist geplant, dass wir erst einmal drei Tage proben bevor wir uns das erste Mal dem Publikum in wasserbillig präsentieren wollen.
So ich packe weiter.
Und das Wetter ist so genial.
Peter

Montag, 17.7

 

unser erster echter probentag neigt sich dem ende zu. susanne

will jetzt noch die kostüme angucken. wir haben gerade geklärt,

wann wir am mittwoch spielen werden.

es beginnt um 20:30uhr auf dem campingplatz in wasserbillig.

am freitag werden wir um 20:30uhr in dillingen auf dem

campingplatz spielen.

wir freuen uns wenn ihr kommt.

bis dann

peter

Mittwoch, 19.7.

 

hallo zusammen! hier ein kurzbericht von heute:

stimmung und wetter bombastisch! lampenfieber und mueckenstiche halten sich in grenzen! haben viel spaß und noch genug zu essen! wir freuen uns über und auf eure beitraege hier. so, nachdem ich diesen text allen vorgetragen habe, muss ich korrigieren: fast alle maenner leiden sehr unter den muecken!

 judith

heute premiere in wasserbillig 

 

antonius und cleopatra in 30 Minuten

um 20.30 Uhr auf dem Campingplatz Schützwiese

Donnerstag den 20. Juli 2006 

 

Wir sind heute den ersten Tag Rad gefahren. 32 km von Wasserbillig über Echternach mit Eisesspause nach Dillingen Hier bleiben wir bis Samstag und werden am Freitagabend auffuehren

Wir haben direkt nach der ankunft in der sauer gebadet Unser platz liegt direkt am fluss und gerade werden die schlafzelte aufgebaut

Kein spass bei dem wetter

Mal sehen ob ich die meute noch zum proben kriege

So jetzt muss ich fahrraeder wegschieben 

Bis die tage 

susanne

Freitag, 21.7.

 

Heute Aufführung in Dillingen, Luxenburg:

21. Juli 2006, 19.30 auf dem Campingplatz "Wies-Neu"

"Antonius und Cleopatra in 20 Minuten"

 

Freitag, 21. Juli 2006 

Ein weiterer heißer Tag, mit der Tendenz zum Abhängen. Es ging schon gut los indem die komplette Gruppe verschlafen hat und Judiths verzweifelte Weckversuche ignorierte. Statt zu Proben saßen wir nach dem Frühstück vor unseren Zelten und schauten den Kanu-Chaoten auf der Sauer zu. Am Nachmittag haben wir uns dann doch noch "Macbeth" gewidmet. Um 19.30 Uhr gab es unsere erste Kindervorstellung. Die Kids waren ob der Abwechslung begeistert und im Laufe der Vorstellung kapierten auch die Großen, dass es eigentlich an sie gerichtet war. Jetzt sitzen wir bei Bier und Wein und dem Rauschen der Sauer und chillen ...

Marianne

Samstag 22. Juli 2006 

 

KLAUS HAT GEBURTSTAG 

Guten morgen Wir haben eine etwas laute Nacht hinter uns

Nein diesmal waren es nicht die Schnarcher es war ein campingplatzfest Gleich geht es weiter zur ersten Bergetappe Wir fahren heute weiter ueber Vianden nach Dahnen Der Broetchenexpress Ulla ist gerade los und der Rest raeumt und raeumt Peter wird ueber den Weg instruiert und Robert fragt als Dritter wer Milch holt

So jetzt muss ich auch mal geschaeftigkeit an den Tag legen

O nee 

Muecken im Cafe

Bis die Tage

Falls ich die Bergetappe schaffe 

Susanne 

 

Und abends dann:

Wir haben es geschafft den Unwettern davonzuradeln und sind nur mit ein paar Tropfen, die eher erfrischend waren, davongekommen. Die Strecke war gut schaffbar, nur das letzte Stück haben wir unseren Sportlern Klaus, Robert und Peter überlassen und sind mit Dieter und Götzi gefahren. Unser Traktor mit Bauwagen ist immer eine Attraktion.

Heute Nacht müssen wir keine Zelte aufbauen. Wir haben dank Dieter und Götzi einen ganzen Fußballplatz, einen Spielplatz und das Sportlerheim mit Duschen und Toiletten zur Verfügung. Und das außerhalb des Dorfes, keiner hört uns und wir haben auch unsere Ruhe ... Nachdem wir mit viel Spaß Buchstaben gelegt und noch ein bißchen "Macbeth" geprobt haben, wird gerade unter Peters Regie Paella gekocht. Hasta la vista!!! 

Marianne

Sonntag, 23. Juli 2006 

 

Die Nacht haben wir sehr zerstreut verbracht, draußen und drinnen. Unser Sonnenzelt, dass wir zum Schutz für die Essenspausen aufgestellt hatten, diente als Schutz für die Frischluftfanatiker, die anderen richteten sich im Haus ein.

Heute Morgen ging das Aufrämen sehr flott und so konnten wir noch einen Durchlauf der ersten Macbeth-Szene auf dem Fußballfeld wagen bevor wir mit den Rädern starteten. Vielen Dank der Gemeinde Dahnen und Bürgermeister Phillip für die Gastfreundschaft und Großzügigkeit und den netten Empfang und Abschied.

Die als nicht unanstrengend angekündigte Strecke nach Schönberg entpuppte sich als Prüfung unserer körperlichen Grenzen, ganz wie wir es in unseren Zielen für die Fahrt formuliert hatten. 40 km in sengender Hitze, immer rauf und runter über Stock und Stein durch idyllische Landschaft ...

Auf dem Campingplatz angekommen widmeten wir uns nach kurzer Erholung und Abendessen der 2. Szene von Macbeth.

Marianne

Montag, 24. Juli 2006 

 

Die Nacht war sehr kühl und die, die draußen schliefen, haben ganz schön gefroren. Der Zeltabbau und das Aufräumen gestaltete sich etwas länger, weil die Feuchtigkeit nicht weichen wollte. Dafür hatten wir nur 24 hügelige km zu fahren und so waren wir schon um 13 Uhr auf dem Campingplatz in Bütgenbach. Da wir hier drei Nächte bleiben, bauten wir unsere beiden Schlafzelte und das Küchenzelt auf. Danach gab es Kaffee mit Besprechung der alltäglichen Aufgaben und ihrer Verantwortlichkeiten. 

Das allgemeine Wirbeln begann und jeder widmete sich eifrig seinem Aufgabenbereich.

Als möglicher Spielort für Dienstag wurde der Campingplatz selbst ins Auge gefaßt. Am Mittwoch wollen wir die um Macbeth erweiterte Fassung auf dem Marktplatz von Bütgenbach spielen. Das Touristenbüro steht unserem Vorhaben sehr offen gegenüber und unterstützt uns mit Werbung. Kontakte zur Presse sind geknüpft. Wir sind gespannt! Heute abend ist nur Macbeth-Probe angesagt.

Dienstag, 25. Juli 2006 

 

SUSANNE HAT GEBURTSTAG !!!

Heute Abend spielen wir um 21 Uhr auf unserem Campingplatz in Bütgenbach, Platz 99 gegenüber vom Waschhaus 2.

Und Morgen um 21 Uhr auf dem Marktplatz.

Vormittags zogen Königin Gitte und Königin Martina mit Ihren bewaffneten Soldaten Klaus, Robert und Marianne über den Wochenmarkt und überzeugten die Bütgenbacher davon sich morgen unser Stück anzuschauen. Derweil probteSusanne mit Macbeth, Lady Macbeth und Ducan (Peter, Judith und Ede) auf dem Campingplatz den 2. Akt. Mittags fand dann zur allgemeinen Erfrischung und Erheiterung eine Seeschlacht im hiesigen Stausee statt. Anschließend wieder Proben.

Schließlich war es 21 Uhr und wir freuten uns über die Fülle von Zuschauern, besonders aber über die diversen Besuche aus der Heimat. Das Beste aber an diesem Tag war, da waren wir uns alle einig, dass Bob als Überraschung im Publikum saß (-: 

So feierten wir noch lange fröhlich zusammen ...

Marianne

Mittwoch 26. Juli 2006 

 

Heute hat Bob uns die Brötchen geholt. Mit kurzen Schwimm- und Essenspausen verbrachten wir den Tag mit Proben. Nicht nur Macbeth musste fertig gestellt werden. Durch die Verschachtelung mit "Antonius und Cleopatra" verändert sich der technische Ablauf und die Übergänge mussten neu einstudiert werden. Gegen 17.30 Uhr drohte ein Gewitter und wir übten Zelte sichern. Es schüttete ordentlich und wir konnten sogar Hagelkörner sammeln für die Cocktails am Abend (-;

Bis zum Auftritt war wieder das schönste Wetter und professionell wie wir sind spielen wir unter allen Bedingungen. Also wurden wir diesmal mehr von außen nass als von innen. Trotz den feuchten Bedingungen haben sich die aufgestellten Bänke gefüllt und wir haben uns sehr gefreut, dass auch der Pfarrer und der Kulturdezernent von Bütgenbach mit großem Vergnügen unter den Zuschauern waren. Zum guten Schluss dieses Tages feierten wir unser Bergfest (schluchz) mit Fritten und belgischem Bier in einer hiesigen Kneipe, weil wir keine Lust mehr zum Kochen hatten.

Marianne

Donnerstag, 27. Juli 2006 

 

Nach dem Frühstück und den letzten Bädern im Stausee, gings mal wieder aufs Rad bzw. auf den Trecker immer unser Tourenlied auf den Lippen. Unser nächstes Ziel Raeren hatten wir um 15.30 erreicht und freuten uns auf einen genüsslichen Abend. Und dann kam die Nachricht dass ein Rad von unserem Bauwagen abgebrochen ist und dieser samt Trecker 5 km entfernt im Wald liegt.

Die Truppe wartet seitdem völlig veralbert auf Rettung. Wer hier vor dem Schloss von Raeren vorbeikommt bekommt gleich den richtigen Eindruck: "Können Sie uns helfen, wir sind Komödianten und haben ein Rad ab"

Mal sehen wie es weitergeht ...  

Stunden und Berge von Süßigkeiten später war dank eines findigen Mechaniker eine Lösung gefunden, wir können uns morgen weiter fortbewegen und übernachten wie geplant auf dem Parkplatz vor dem Schloss von Raeren. Zum ersten Mal sind wir alle zusammen in einem Zelt, weil wir zu faul waren mehr aufzubauen mit direktem Blick auf das angestrahlte Schloss ...

Freitag, 28. Juli 2006

 

Das war eine Nacht. So romantisch ein angestrahltes Schloss auch ist, wenn die Beleuchtung gar nicht mehr ausgeht wirkt sie irgendwann eher störend. Um sechs Uhr morgens fuhr dann ein Bulldozer hin und her und so hatten wir das zweifelhafte Vergnügen sehr früh am Frühstückstisch zu sitzen. Das Aufräumen war auch schnell erledigt und so saßen wir zeitig in den Sätteln. Zur Mittagszeit machten wir eine Pause in Aachen, wo wir am nächsten Tag mal in der Fußgängerzone spielen wollen. Dann ging es ziemlich bergig nach Würselen. Zwischendurch gab es zwar den ein oder anderen Regentropfen, aber so richtig gings erst los, als wir schon in unserer Unterkunft, dem Gemeindehaus St. Peter und Paul, angekommen waren. Leider gabs nicht nur einen Wolkenbruch, sondern auch einen Hexenschuss und so mussten wir ein bisschen umbesetzen. Um 20 Uhr war unsere Vorstellung, die wir wegen Feuchtigkeit ins Gemeindehaus verlegten. Unter unseren Zuschauern waren sogar Düsseldorfer und Kölner, die extra dafür angereist waren! Es war ganz anders in einem geschlossenem Raum zu spielen und wir bevorzugen einstimmig die Freilicht-Variante. Allerdings müssen wir schon zugeben großes Glück zu haben, dass wir heute Nacht im Haus und somit im Trockenen schlafen!

Marianne

Samstag, 29. Juli 2006 

 

Wir hatten uns vorgenommen in der Aachner Innenstadt die Seeschlacht-Szene aus "Antonius und Cleopatra" zu spielen. nach Aachen nahmen wir den Bus. Unsere Theateraktion wurde ein voller Erfolg. Eine völlig neue Erfahrung, einfach auf einem Marktplatz eine antike Seeschlacht zwischen Römern und Ägyptern zu präsentieren. Dank Roberts Talent die Leute anzusprechen bzw. herbei zu schreien, hatten wir viel Publikum, die uns dann auch sehr angetan den Hut füllten. Wir spielten insgesamt sechs mal, bis wir von dem wiederholten Sterben auf Kopfsteinpflaster unsere Knochen nicht mehr spürten. Nach einer Erholungspause mit Fritten und Kaffee, nahmen wir den Bus zurück nach Würselen und verbrachten den Abend mit der ersten Leseprobe zu Hamlet.

Marianne

Sonntag, 30. Juli 2006 

 

Nach dem Aufräumen, was schon mal kein Zeltabbau bedeutete und von daher schnell erledigt war, hätten wir eigentlich um 10 Uhr starten können. Leider war der Mensch zur Schlüsselübergabe nicht da und dann sprang der Traktor nicht an. Mit Zwirn konnte er repariert werden. Es waren zwar 56 km bis Herkenbosch, aber schön flach und zügig zu fahren. Da wir in Wassenberg eine längere Pause einlegten, waren wir trotzdem erst um 17 Uhr auf dem Campingplatz. Trecker und Bauwagen waren schon da und unser Freizeitzelt stand schon. Nach kurzer Pause, noch bevor wir irgendetwas aufgebaut hätten, öffneten sich die Schleusen des Himmels und die Fluten liefen durch das Zelt, das wir quasi Bauch an Bauch bevölkerten. Die Stimmung war gut, wie immer in solchen Situationen. Als wir jedoch drohten im Zelt zu versinken, entschlossen wir uns zur nächsten Kneipe zu ziehen und schon mal was zu essen, denn an Kochen war unter diesen Bedingungen nicht zu denken. Nun warten wir auf besseres Wetter ...

Marianne

Montag, 31. Juli 2006

 

Der Tag begann ganz gut, denn es hatte nicht mehr geregnet und außerdem gab es ko. So langsam begann das Equipment zu trocknen. Nach einer kurzen Lagebesprechung wann wie was und wo, wurde beschlossen bis Donnerstag in Herkenbosch zu bleiben um dann direkt nach Sonsbeck-Kapellen zu radeln. Unser heutiger Probenplan "Hamlet intensiv" wurde durch die Tatsache, dass wir auf dem Campingplatz umziehen mussten, zwar unterbrochen, aber es war sehr aufheiternd und brachte uns mit dem halben Platz in Kontakt. Ein Zelt wurde kurzerhand getragen und mutete wie eine Riesenschildkröte an.  Es hatte ziemlich abgekühlt und so war das Proben sehr angenehm und wir haben den zweiten und vierten Akt erarbeitet. Danach gab es zur Belohnung eine Runde Schwimmbad.

Marianne

Dienstag 1. August 2006 

 

Wir haben den ganzen Tag fleißig an "Hamlet" weiter gearbeitet. Unterbrechungen gab es nur weil wir dringend Zelte festhalten und vor Regen Schutz suchen mussten bzw. um uns mit Vanille Vla, Hagel Slag und Appelcompote met Stukken bei Kräften zu halten. Bis zum Abend wurde das Wetter nicht besser, ständig wurden die Requisiten rein und raus geräumt und wir probten unter allen Bedingungen. Mit der Campingleitung haben wir abgesprochen, dass wir Mittwoch um 21.30 Uhr im Veranstaltungssaal auftreten. Am Vormittag wollen wir evtl. zu einer Straßenaktion nach Roermond fahren, falls das Wetter es zulässt.

Mittwoch, 2. August 2006 

 

Das Wetter war weiterhin sehr gemischt und unsere Straßenaktion fiel somit von vornherein ins Wasser. Wir waren froh wenigstens von 12.00 bis 14.00 Uhr und von 16.00 bis 18.30 Uhr in dem Saal des Campingplatzes proben zu können. Zwischendurch wurden einzelne Sonnenstrahlen genossen und die Aufführung am Abend vorbereitet. 

Als wir uns um 21.00 Uhr im Saal einfanden, füllte er sich langsam mit Kindern. Offenbar waren wir mitten in die Kinderaktivitäten gerutscht und unsere mehrmaligen Informationen an die Campingplatz-Animateure, dass unsere Darbietung sich an Erwachsene richtet, Kinder aber nicht ausschließt, sind nicht so weitergegeben worden. So machten wir die Kinderscharen vor Beginn darauf aufmerksam und machten deutlich, dass wir in deutsch spielen. Ein kleines pfiffiges Mädchen, das nachmittags schon unsere Durchlaufprobe gesehen hatte, beruhigte uns daraufhin sie hätte alles verstanden und nun alle ihre Freunde mitgebracht. So hatten wir während der Vorstellung eine ständig wachsender Zuschauerzahl. Einen geringen Schwund hatten wir allerdings zu verzeichnen, da einige Kinder gegen ihren Willen von empörten Eltern aus dem Saal entfernt wurden.

Donnerstag, 3. August 2006 

 

Als wir erwachten regnete es in Strömen. Schon die paar Meter vom Schlafzelt ins Kochzelt trocken zurückzulegen war ein Unding. Alles war klamm und ungemütlich und keiner konnte sich recht vorstellen, die Zelte im strömenden Regen einzupacken und dann 75 km zu radeln bzw. Traktor zu fahren.

Aber die Stimmung war gut und wir beschlossen auch diese Grenze zu überwinden Und dann geschah das Unvorstellbare. Der Regen hörte auf, die Zelte wurden zwar feucht eingepackt aber wir blieben dabei trocken. Und wir blieben es, oh Wunder, den ganzen Tag. Sogar der Besuch der Eisdiele in Arcen, mit einem gigantischen Angebot an Eisbechern war möglich. Und dann konnten wir als wir um 18.00 Uhr in St. Bernadin, einer Einrichtung für geistig behinderte Menschen, ankamen auch noch ins Schwimmbad ...

Der Himmel auf Erden. 

So ein närrisches, albernes Volk hat das Schwimmbad bestimmt schon lange nicht mehr erlebt. Danach gab es Paella! Und anschließend noch eine Probe der vollständigen Szenenabfolge, die morgen Premiere haben soll.

Marianne

Freitag, 4. August 2006

 

Wir hatten die Nacht in der Turnhalle von St. Bernardin sehr ruhig und trocken verbracht. Nachdem wir 3 Wochen immer dicht bei dicht geschlafen hatten, konnten wir die Riesenturnhalle gar nicht richtig ausfüllen. So gab es eine Schlafecke und den Rest des Raumes nutzen wir zum Proben. Vor dem Frühstück konnten wir schon in das Schwimmbad, was genau neben unserer Turnhalle lag, man brauchte gar nicht erst ins Freie. Auch die Duschen und Toiletten waren so erreichbar und außerdem hatten wir noch auf der Wiese vor dem Haus jede Menge Platz ... 

Einfach traumhaft wenn das Wetter keine Rolle mehr spielt.

Unsere Aufführung war für 16.00 Uhr eingeplant und wir hatten noch jede Menge vorzubereiten.

Zur Premiere von Hamlet sind viele Bewohner von St. Bernardin, aber auch Besuch aus den jeweiligen Heimaten und die Presse erschienen. 

Die Reaktionen waren sehr positiv und wir alle zufrieden, dass unser Stück nun endlich komplett ist.

Marianne

Samstag, 5. August 2006 

 

Nachdem wir das Schwimmbad nachts und am frühen Morgen nochmal ausgiebigst genutzt hatten, schwangen wir uns zu unserer letzten Etappe nach Kloster Graefental. Schlappe 38 km, kein Problem und Zeit genug für 2 Eissalons. wir durften dort direkt am Baggersee zelten und ihn auch nutzen. Eine wunderschönes Terrain mit einem See nur für uns ... Die ersten Besucher reisten schon an und so blieb nicht viel Zeit um unser Opening einzustudieren. Eine kurze Absprache musste genügen.

Bis zum Schluss hatten wir Bedenken ob wir in dem herrlichen Anwesen im Freien spielen können. Dunkle Wolken drohten uns von oben und als wir die Bühne mutig installiert und unsere Requisiten platziert hatten gab es auch noch einen Schauer. Aber wie immer hörte es auf und wir konnten bei einem Bilderbuch-Sonnenuntergang spielen.

Es hat uns sehr viel Spaß gemacht und wir hatten den Eindruck den Zuschauern auch. Es waren viele Freunde und Bekannte angereist und das Buffet unserer Dernieren-Feier war Dank ihrer vielseitigen Unterstützung sehr kreativ und lecker. Danke euch allen!!!

Bis spät in die Nacht (eigentlich bis zum frühen Morgen) haben wir gefeiert und konnten es einfach nicht fassen, dass nun alles vorbei ist ...

Marianne

 

Sonntag, 6. August 2006 

 

Ein letztes Bad im See ... Ein letztes gemeinsames Frühstück ... Und dann Aufräumen, Sortieren, Abbauen, Verladen und Trauern ... ... und die Freude auf zu Hause, den Alltag, das eigene Bett, die Badewanne und RUHE.

Marianne